Leser helfen: Verein Funkelstern stärkt Schüer in Mainz mit dem Projekt „Mut tut gut“

Mainz, 13. Januar 2018. Alle wollen mit ihm befreundet sein. Ausnahmslos alle. Es ist an den Blicken abzulesen, an der Art, wie sie sich melden. Den Arm in höchster Spannung nach oben gestreckt, den Zeigefinger straff gen Decke gerichtet, manch Schnipsen durchbricht die Stille. Alle Augen sind auf Simon Tschoepe gerichtet. Der Mann, der von Kratzern im Herzen erzählt und die Kinder auffordert, sich gegenseitig auf die Knie zu hauen. Er ist einer von mehreren Trainern, die an diesem Tag an der Eisgrubschule sind.

„Mut tut gut“: So heißt ein Projekt des Vereins Funkelstern, das seit 2016 das Selbstvertrauen und -bewusstsein von Kindern an Mainzer Grundschulen stärken will. Es geht um Gewaltprävention, darum, sich zu behaupten, Nein sagen zu können, ganz allgemein Grenzen aufzeigen zu können. Pro Schuljahr und pro Klassenstufe werden die Kinder elf Stunden von Trainern betreut. Die Trainings bauen aufeinander auf, variieren je nach Altersstufe. „Mut tut gut“ stammt vom Netzwerk Rheinland aus Köln. Die Mentoren leisten hervorragende Arbeit. Aber Qualität kostet. Durch die AZ-Spendenaktion „Leser helfen“ können Sie dafür sorgen, dass dieses wertvolle Projekt weiterhin bestehen kann – und an weiteren Grundschulen ausgeweitet werden kann.

Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Die guten kann man für sich behalten, die tun nicht weh, haben keine schlimmen Konsequenzen. Die schlechten schon. Etwa, wenn der Vater schlägt. Die Mutter jede Nacht weint. Der Körper unangebracht angefasst wird. Die Kinder lernen durch „Mut tut gut“ zu sprechen. Sie lernen, dass es einen Unterschied zwischen petzen und sich schützen gibt.

An die Tafel hat Simon Tschoepe ein Herz gemalt, in Rot. Die Wiederholung des Gelernten am Vortag beginnt. Was hatte es nochmal mit dem Herz auf sich? Ja, es symbolisiert Liebe. Aber die Liebe kann auch enttäuscht werden. Es können Welten zusammenbrechen. Dann bekommt das Herz Kratzer. Der Mentor malt zwei weiße Striche in die Herzform. „Es braucht lange, bis die weg sind“, sagt der Mentor. „Es gibt Notfallsituationen, über die reden wir heute.“ Er malt einen blauen Kreis um das Herz. Eine Seifenblase. „Jeder Mensch entscheidet für sich, wer in die Schutzblase darf.“ Was Tschoepe den Kindern sagen will: Seid vorsichtig. Nicht jeder meint es gut mit euch. Aber ihr könnt euch wehren, und wenn es sein muss, Hilfe holen. Ihr seid nicht alleine.

Der Verein Funkelstern hat das Motto „Jedem Kind leuchtet ein Stern“. Es geht um Kinder, die nicht aus betuchtem Elternhause kommen, die es nicht immer leicht hatten, die unverschuldet benachteiligt werden. Sie sind an mehreren Grundschulen zu finden. Und oft ist hier auch „Mut tut gut“ zu finden. An der Lemmchenschule in Mombach etwa. Oder an der Grundschule Leibnizschule. An der Grundschule An den Römersteinen. Oder, wie
heute: an der Eisgrubschule. Egal, welcher Lehrer, welche Lehrerin über das Projekt spricht: Jedes Mal ist die Rückmeldung außerordentlich positiv. Die Kinder hätten sich verändert, seien selbstsicherer, hätten mehr Respekt. Der Klassenzusammenhalt sei deutlich besser geworden.

Bekir Kabatas wundert sich nicht darüber. Der Trainer erlebt die Veränderung seit Jahren. Er verursacht sie. Deutschlandweit ist er an verschiedenen Schulen unterwegs und hilft Kindern. „Jede Klasse ist anders, weil jeder Mensch anders ist“, weiß er. Also muss er das Talent haben, auf jede und jeden eingehen zu können. Heute spielt er mit der Klasse „Reise aus Jerusalem zurück“. Stühle werden in einer Doppelreihe aneinandergestellt, die Schüler gehen im Kreis herum. In jeder Spielrunde gibt es einen Stuhl weniger im Kreis. Die Kinder müssen versuchen, dass dennoch jeder sitzen kann. Am Ende „stapeln“ sie sich aufeinander. Ein Spiel, das Nähe und Zusammenhalt herstellt. Und letztlich für eine schöne Klassengemeinschaft sorgt. Nahestehenden Menschen tut man schwerer weh als Fremden.